
Reise mit dem Bürgerverein Süderelbe e.V.
an den Bodensee
vom 12. bis 19. Sept. 2011
Acht Tage mit unterschiedlichen Erwartungen lagen vor uns. Der Reisebus mit Herrn Kuhlmann als Fahrer hatte alle Teilnehmer eingesammelt, und es begann die Reise nach Friedrichshafen am Bodensee unter dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“ (Konfuzius), wobei ich im Internet auch gelesen hab, dass mit diesem Zitat orientierungslose Zeitgenossen gemeint sind (sein können), was für die von Irmgard Rosenow perfekt organisierte Reise ganz und gar nicht zutraf.
Ohne Stau auf Autobahnen geht es kaum noch, aber die gute Stimmung an Bord tat dieser Tatsache keinen Abbruch. Vorschriftsmäßig etwa alle zwei Stunden hielt der Bus an Raststätten. Hier versorgte uns Herr Kuhlmann mit Kaffee, mittags auch mit Würstchen, Kuchen gab’s auch, und die Gelegenheit, hier und da ein Schwätzchen zu halten.
Nach 13 Stunden Reisezeit erreichten wir unser „Seehotel“, direkt an der Promenade gelegen, um 19:00 Uhr. Gemeinsames Abendessen als Buffet war um 19:30 Uhr. Einige hatten noch Lust, sich auf der Promenade mit den vielen Einkehrmöglichkeiten schon einmal umzusehen.
Am nächsten Morgen nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet fuhren wir vorbei an sorgsam und schnurgerade angelegten Apfelplantagen und Weinbergen auf die Insel Mainau. Zu Fuß ging es über eine längere Brücke, an der rechter Hand das legendäre, kunstvolle Schwedenkreuz, eine aus Bronzeguss gefertigte Kreuzigungsgruppe, zu beachten gab.
Am vereinbarten Treffpunkt wurden wir in zwei Gruppen
aufgeteilt. Unsere Gruppe folgte einem sachkundigen Doktor der Botanik, der uns in launigen Worten und in zusammen geraffter Ausführung über die überaus wechselvolle Geschichte der Insel Mainau die mit Napoleon begann - informierte. Könige und der Hochadel aus vielen europäischen Dynastien, auch das Haus der russischen Romanows, gehören zur Stammtafel, und das fürstliche Haus Bernadotte sowie das markgräfliche Haus Baden. Wobei mit der Adoption des Herrn Bernadotte durch den damaligen schwedischen König Karl XIII das schwedische Königshaus Einzug auf das Schloss auf Mainau hielt.
Letztlich galt unser Besuch dieser Insel ja der wunderschönen Parkanlage. Graf Lennart Bernadotte (1909 bis 2004) hat hier in Jahrzehnten einen einmaligen paradiesischen Park geschaffen.
Natürlich wird diese Pflanzenvielfalt durch die südliche und feuchte Insellage begünstigt. Exoten, wie die schnellwüchsigen Metasequoia (Mammutbaum), die 30 35 m hoch wachsen, vereinzelt auch 50 m und einige hundert Jahre alt werden. Das Exemplar, das wir hier bestaunen konnten, wurde im Jahr 1956 aus Sämlingen gezogen. Weiter ging es an verschiedenen Palmenarten, unzähligen Blumenrabatten und Sträuchern vorbei.
Unser Rundgang führte entlang der Promenade der Wild- und Strauchrosen, dem Weinberg am Schwedenturm. Unsere Reisezeit September bescherte uns die ganze Pracht verschiedenster Dahlienarten hier trotz der Vielfalt dekorativ im Park eingefügt im Gegensatz zum ebenfalls sehenswerten, aber riesigen Dahliengarten in Hamburg. Manch einer von uns bedauerte die alljährliche Praxis, dass alle Dahlienzwiebeln im Herbst auf den Kompost wandern.

Vorbei ging es am kleinen Tierpark mit Zwergponys, kleinen Eseln, an einem einfallsreich gebauten Kinderspielplatz und einem Kräutergarten. Ein weiteres Fotomotiv war die mit Blumen farbenfroh dekorierte und im italienischen Stil gebaute Wassertreppe, von deren oberem Ende wir einen herrlichen Blick über einen Teil des Parks auf den Bodensee hatten. Immerhin sind 65 Gärtner damit beschäftigt, das alles zu pflegen und einige Bereiche immer wieder neu anzulegen.

Im Schlossbereich entließ uns der freundliche Begleiter, der uns bis dahin mit allem Wissenswerten versorgte und sich für das seinen Vorträgen entgegen gebrachte Interesse bedankte. Jetzt war jeder für 1 ½ Stunden sich selbst überlassen. Mit unterschiedlichen Interessen steuerten wir den Schloss- und Kirchenbau an. Manch einer konnte nicht umhin, im Schloss-Shop aus dem reichhaltigen Angebot etwas zu kaufen. Im Palmengarten-Café trafen sich dann viele wieder.
Auf dem Rückweg sind einige noch in das großzügig angelegte Schmetterlingshaus gegangen. Helmut Reinbeck berichtet hierzu: „Zwischen Wasserflächen und kleinen Wasserfällen dichte Vegetation, das ganze belebt durch wunderschöne Schmetterlinge. An einer Wand war eine Vielzahl von Kokons befestigt. Bei einem konnte sogar die „Geburt“ eines Schmetterlings miterlebt werden, ein kleines Wunder. Es machte Freude zu sehen, wie auch die Kinder sich hier begeistern konnten.“
Unser nächstes Ziel war Konstanz. Hier, am Hafen gelegen, empfängt seit 1993 den vom Wasser her kommenden Besucher die 9 m hohe provokante Statue IMPERIA von dem umstrittenen Künstler Peter Lenk. Sie dreht sich innerhalb von drei Minuten einmal um die eigene Achse. Als Muse und Lebedame soll sie in ironischer Weise an das damalige christlich-abendländische lockere Leben zwischen Klerus und Lebedamen in dieser Stadt erinnern und damit auch zur Erinnerung an die wichtigen Jahre des Konzils von 1414 bis 1418:
Der ehemalige Sitz des größten Bistums der römisch-katholischen Kirche nördlich der Alpen wurde zwar von Papst Pius VII im Jahr 1821 aufgelöst. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass hier in Konstanz die einzige Papstwahl unter Beteiligung von Papst Johannes XXIII stattfand. Es sollte die Einheit der Kirche wieder hergestellt, notwendige Reformen beschlossen und die Ketzerei bekämpft werden. Ein bekanntes Opfer war Jan Hus, der seine Lehre vor dem Konzil verteidigen durfte, dennoch im Jahr 1415 zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde.
Eine weitere Berühmtheit ist übrigens der 1838 in Konstanz geborene Ferdinand Graf von Zeppelin, der Pionier der Luftschiffkonstruktion.
Unser Bus parkte stadtnah und jeder hatte die Möglichkeit, Konstanz nach eigenem Gutdünken zu erkunden. Lustig wurde es, als nach und nach mehrere von uns völlig unabhängig voneinander sich in einem Gartenrestaurant wieder trafen.
Auf der Heimfahrt gab es noch einen kurzen Stopp in Ludwigshafen am Zollhaus, auch hier ein satirisches Kunstwerk des heimischen Bildhauers Peter Lenk, nämlich die inzwischen weithin bekannten „Global Players“ zu bestaunen. Fotomotive waren diese nackten, neckisch grinsenden Figuren aus Politik und Wirtschaft wohl allemal, wenn auch nicht jedermanns Geschmack.
Für die Fahrt ins Hotel bestand keine Eile, und so fuhr Herr Kuhlmann die Uferstraße am Bodensee zurück. Damit bot sich bei blauem Himmel ein herrlicher Blick auf den Bodensee und auf das gegenüberliegende Ufer mit dem Alpenpanorama im Hintergrund.
Beim Abendessen kam etwas Unruhe auf: Helmut und Gisela Viering berichteten über die Unauffindbarkeit ihres Portemonnaies mit Geld und EC-Karte. Jede Suche war erfolglos, so dass sie den Verlust dann doch vorsichtshalber der Sparkasse meldeten. Es war Gott sei Dank noch nichts abgehoben. Kein Wunder: War das Portemonnaie im Schrank unbemerkt zwischen die Schiebetüren gefallen. Welche Erleichterung, das sah man ihren strahlenden Gesichtern an.
Der 3. Tag
Wir alle wussten von Gaby Hadlers heutigem Geburtstag und überraschten sie beim Frühstück mit einem Geburtstagslied, das Gerhard Thiele anstimmte. Gabys Geburtstagswunsch siehe „Bergfest“ am Abend des 4. Tages.

Nun, dieser Tag stand für eigene Entscheidungen zur Verfügung. Einige hatte nichts Konkretes vor, andere machten eine Fahrradtour oder gingen ins Zeppelin-Museum.
Darüber berichtet hier sehr interessant Manfred Zeising:
07. 09. 2011. Nach dem gemeinsamen Frühstück trafen sich um 10 Uhr bei strahlenden Sonnenschein eine kleine Gruppe von fünf Personen vor unserem Hoteleingang in Friedrichshafen, um gemeinsam das Zeppelinmuseum in Richtung Hafen anzusteuern. Das Museum besteht seit 1996 und zeigt auf einer gesamten Museumsfläche von 4000 m², die größte weltweit bedeutendste Sammlung der Zeppelin-Luftschiffahrt und -Entwicklungstechnik. Auf 2200 m² Ausstellungsfläche für Kunst sind die Schwerpunkte der Kunst des Bodenseeraumes der letzten 500 Jahre dargestellt. Die Kunstsammlung des Museums wurde erst nach Beendigung des zweiten Weltkrieges 1948 neu wieder aufgebaut und spannt heute einen Bogen vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst. Besonders sehenswert sind die Werke von Otto Dix und Max Ackermann. In den Räumlichkeiten des Luftschiffbauarchivs befindet sich das Forschungszentrum der Zeppelingeschichte, mit Dokumenten für Luftschiffbau aus den Jahren 1908 bis in die sechziger Jahre. Erwähnt werden auch Persönlichkeiten der Zeppelingeschichte, wie Hugo Eckener, Hans von Schiller und Wilhelm Ernst Dörr. Die Sammlungen von Konstruktionszeichnungen, Graphiken, Fotos, Filme usw. vervollständigen die Bestände der Zeppelingeschichte. Am 04. März 1936 machte das Luftschiff Paul von Hindenburg seine Jungfernfahrt. Ab Mai des selben Jahres setzen sich regelmäßig die Nordatlantikflüge mit Passagieren, Fracht und Postverkehr durch. Am 07. Mai 1937 geriet die Hindenburg während der Landung auf dem Luftschiffhafen Lakehhurst im amerikanischen Bundesstaat New Jersey in Brand, und von den 97 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord kamen 35 und 1 Mann des Bodenpersonals ums Leben.
Bis zum Unglückstag hatte die Hindenburg 63 Fahrten nach Nord- und Südamerika absolviert. Mit einer Länge von 245 m. und einer größten Breite von 41,2 m. besaßen die Luftschiffe Hindenburg und das Schwesterschiff Graf Zeppelin jeweils ein Traggasvolumen von 200.000 m³ und zählen bis zum heutigen Tage zu den größten Luftfahrzeugen der Welt. Die einzigartigen Entwürfe der Inneneinrichtung entsprachen fast den heutigen Standard.
Ein Teil der 1:1 nachgebauten Inneneinrichtung (s. Abb. 2) ist den Besuchern zugängig und wer will, kann sich träumend geistig in die dreißiger Jahre versetzen lassen. Auch wurde ein Teilstück der Hindenburg naturgetreu zur Ansicht nachgebaut (s. Abb.3);

Abb. 2 Abb.3
ebenso Teile der Leichtmetallkonstruktion (s. Abb.4).
Zu den wichtigsten Aufgaben des Zeppelinmuseums gehören die historische Forschung. Grundlage dieser Forschung ist eine Sammlung verschiedener Luftschiffe, Ausrüstung, wie Navigationsinstrumente, Funk, Antriebstechnik, Porzellan und vieles andere.

Abb.4
Die Forschungsarbeiten im Luftschiffbau waren oft Auslöser für industrielle Entwicklungen von Motoren zum Beispiel für Maibach, siehe Abb. 5 und 6, Leichtmetallanwendungen, Getriebe us

Abb.5 Abb.6
In der sogenannten Zeppelin-Wunderkammer hinter einer nicht auffallenden Tür, verbergen sich in Glasschränken viele unbekannte Schätze von Münzen, Porzellan, Blechspielzeuge, alte Postbelege, jede Menge Zeppelin-Nippes und vieles andere mehr. Im Film und Medienraum des Erdgeschosses werden den Besucher, historische Zeppelin-Fotografien und Filme im 3-D Format eindrucksvoll präsentiert. Es ist natürlich noch viel mehr zu sehen, aber das wesentliche ist wohl hiermit zu Grunde gelegt worden. Zum Schluß, nach einem Besuch im Souvenirladen, beenden wir unseren Museumsrundgang und wandern zum Busbahnhof, denn von dort aus geht die Fahrt weiter zum Dornier-Museum.
Nach dem Zeppelinmuseumsbesuch, ging unsere Reise weiter mit einer halbstündigen Linienbusfahrt zum Dornier-Museum. Das Museum liegt direkt am Friedsrichshafener Flughafen. Der moderne Baustil des Museums, in Form einer Flugzeughalle, soll symbolisch eine Rollfeld-Abzweigung des Friedsrichshafener Flughafen darstellen. Durch die faszinierende Weise der Architektur bietet die Halle ausreichend Platz für ausgestellte zahlreiche Originalflugzeuge, darunter einige historische legendäre Klassiker wie Do 27, Senkrechtstarter Do 31 oder Merkur, die hautnah zu betrachten waren (s. Abb. 8, 9, 10).

Abb. 8
Auch interessant anzuschauen sind Teile eines originalen Spacelab, und ein begehbares Sonnensystem bringen dem Betrachter die Sterne zum Greifen nah. Zum anderen bildet die über dem Foyer scheinbar schwebende Museumsbox das Herz und Kernstück der Ausstellung. Hier bekommt man reichhaltige Aufklärung über die Arbeit, mit dem der Name Dornier seit über 100 Jahren in Verbindung steht. Was 1910 mit Claude Dornier als Konstrukteur beim Luftschiffbau Zeppelin begann, ist in wenigen Jahren zu einem der weltweit bedeutenden Unternehmen auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt herangewachsen.

Abb. 9 Abb.10
Zum Abschluss wie immer ein Besuch in der Souvenir-Abteilung. Um die lange Buswartezeit der Rückfahrt zum Zentrum Friedrichshafen zu verkürzen, wurde noch im Restaurant des Dornier-Museums Kaffe getrunken. Die Männer tranken natürlich lieber kühles Bier.
Das waren die gesamten Eindrücke des ersten Tages.
Manfred Zeising
Wir, erst zu fünft, fuhren mit dem Schiff nach Lindau, trennten uns aber hier wegen unterschiedlicher Interessen. Nur noch zu dritt, Edith, Rita und ich, bummelten wir durch die Altstadt, wobei uns drei kleine Läden zeitlich „sehr beanspruchten“. In einem traditionsreichen Restaurant in der Maximilianstraße, einer von Patrizierhäusern und Laubengängen gesäumten Fußgängerzone, haben wir sehr gut gegessen und den einen und anderen unserer Gruppe mit Fahrrad bei ihrem Stadtrundgang getroffen. Dann fiel uns ein, dass wir zumindest noch einen kleinen Fußmarsch entfernt am Schrannenplatz den Diebs- oder Malefizturm und die uralte Peterskirche besichtigen müssten. Die Kirche ist restauriert und als Kriegergedächtnisstätte mit den einzigen bekannten Wandmalereien Hans Holbeins d.Ä. zu bewundern. War sehenswert. Das Wetter an diesem Tag ließ alle Optionen zu.
Am 4. Tag war ein Ausflug auf den Pfänder oberhalb von Bregenz auf österreichischer Seite vorgesehen. Eine Seilbahn führte uns von Bregenz hinauf auf den gut 1.000 m hohen Pfänder. Der Pfänder besteht aus einem vor ungefähr 20 30 Mill. Jahren entstandenen Mischgestein-Konglomerat aus Kiesgeröll und Sandstein. Hin und wieder auf dem Weg nach oben sah man die „Mischung“. Und ich dachte beim Vorbeigehen, dass das gebundene Geröll zur Stabilisierung der hohen Bäume diente. Eine Informationstafel oben belehrte mich dann eines besseren.
Vom Wetter verwöhnt, wie wir waren, hatten wir an diesem Vormittag sichtmäßig erst einmal Pech. Diesige Luft und leichter Nieselregen ließen Panorama-Fotos trübe aussehen.
Die meisten von uns verbrachten die anfängliche Zeit auf der Adlerwarte bei den interessant erklärten Flugvorführungen von Adler, Falken, Geier, Milan und Uhus. Dabei erfuhren wir, dass der Wanderfalke in den 70er Jahren so gut wie ausgestorben war, er bis zu 320 km/h schnell fliegen kann und inzwischen von der Roten Liste gestrichen ist, weil zumindest bei uns seit langem das Gift DDT verboten ist. Ein Wanderfalke ist schon bis zum Fliegerhorst Memmingen geflogen und konnte aber mittels der Telefonnummer auf dem Lederband am Lauf (Bein) wieder zurückgeholt werden.
Geier haben eine Flügelspannweite von 3 m und können 30 bis 40 Jahre alt werden „Unser“ Gänsegeier legte nach der Landung ganz offensichtlich Wert darauf, dass seine Darbietung beklatscht wurde. Und wie wir erfuhren, landete er schon des Öfteren bei einer tiefer gelegenen Gaststätte, von wo aus er sich im Auto wieder abholen ließ, was ihm offensichtlich immer wieder sehr gefiel, wie der Falkner uns erzählte.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass die vorgeführten Vögel unter dieser Art der Haltung zu leiden hatten.
Langsam setzte sich die Sonne durch. Der hier oben rauf und runter angelegte Rundgang führte an Gehegen mit Mufflons, Wildschweinen, Hirschen, Murmeltieren Alpensteinböcken (italienische, königliche Zuchtmaßnahmen haben den Bestand im Jahr 1706 von 54 auf heute ca. 13.000 Tiere wieder anwachsen lassen) vorbei. Die Tiere, bis auf die Murmeltiere, guckten genauso neugierig wie wir.
Die Sicht ließ jetzt einen herrlichen Blick auf den Bodensee und die vielen Alpengipfel zu. Bei genauerem Hinsehen erkannte man auch den Zufluss des Rheins in den Bodensee.

Die für uns organisierte Jause mit dem „Pfänderteller“ in dem urigen Restaurant, war mengenmäßig für viele von uns gar nicht oder kaum zu bewältigen. In guter Stimmung wurden Schinken und Käse oder anderes vom Teller getauscht oder weitergegeben. Mit einem frisch gezapften Bier rutschten die Brote aber dann doch. So gesättigt bummelten wir in kleinen Gruppen durch Lindau, zum Teil entlang des Bodensees und durch die Altstadt. Für einige von uns war’s ja ein Wiedersehen von Lindau. Und wie es so geht, trafen sich viele in Cafés und Eisdielen an der Promenade am Hafen. Gemeinsam ging’s zurück zum Bus und ins Hotel.
Für den heutigen Abend hatte Frau Rosenow das „Bergfest“ errechnet und den einen und anderen von uns nach dem Abendessen animiert, etwas Lustiges vorzutragen. Die Darbietungen haben ganz offensichtlich allen Spaß gemacht. Als erste hatten Gerhard und Renate Thiele einen eigens von Gerhard verfassten Dialog zwischen Busfahrer und einer renitenten Mitfahrerin humorvoll vorgetragen.
Zum Abschluss wurde Gabys Wunsch erfüllt: Sie bat Irmfrid, den schon öfters von ihm vorgeführten Sketch „der so geht (aufrecht) und der so geht (gebückt)“, auch heute wieder zu spielen. Während des Auftritts immer wieder amusiertes Gelächter. Irmgards Protest („das kennen doch schon alle ...“) nützte nichts. Das musste nun auch Irmgard überzeugen. Die Darbietung ist gar nicht so einfach, muss doch der Wechsel von „aufrecht“ zu „gebückt“ zum gesprochenen Text passen!
Für den 5. Tag war ein vielfältiges Programm vorgesehen:

Der Bus fuhr entlang des Sees erst einmal nach Unteruhldingen, bekannt geworden durch die 20 nachgebauten und urzeitgemäß eingerichteten Pfahlbauten. Funde zeigen, dass hier bereits in der Steinzeit vor 4.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung gelebt wurde, und in der Bronzezeit, 2000 Jahre später, auch noch. Im Schlick des Bodensees gefundene Werkzeuge aus Stein und Knochen und in der Bronzezeit aus Metall sind Zeugen der damaligen Zeit. Die Idee unserer Vorfahren, ihre Häuser auf Pfählen zu bauen, lag in der Erfahrung, dass an den Ufern des Bodensees der Urwald begann und sich der Pegelstand auf Grund der vielen Zuflüsse um 3 4 m hob und senkte. Mit Beilen aus Basalt wurden Eichenstämme gefällt. Dann wurden sie mit entsprechendem Werkzeug angespitzt. So zugespitzt wurden die Pfähle in den Boden gerüttelt. Das Fällen eines Baumes mit einer Steinaxt dauerte ca. 20 Minuten! Der Nachweis dafür wurde sicherlich in unserer Zeit erbracht (zum Teil aus den Notizen von Helmut Reinbeck).
Zum Feuermachen benutzte man Pyrith-, Markasit- und Flintsteine, um einen heißen Funken zu produzieren.
Um im schwarzen Basalt Löcher bohren zu können, benutzte man Holunderholz mit weichem Mark, um mit Sand „im Getriebe“ ein Loch zu bohren, wobei man 1 Stunde für 4 mm brauchte.
Die Häuser errichtete man im Blockhausstil. Die Fußböden waren mit Lehm abgedichtete Balken, ebenso die Außenwände. Ein Eulenloch diente als Rauchabzug für die Feuerstelle.
Wir erfuhren auch, dass die Menschen damals unsere heutige Größe erreichten, allerdings wurden sie nur 35 bis 40 Jahre alt.
Alle wieder im Bus, ging’s zur Basilika Birnau, schön gelegen am Bodensee - ein Meisterwerk des Barocks und Rokokos. In den 60er Jahren wurde sie umfassend renoviert. Ursprünglich eine Wallfahrtkirche wurde sie 1919 von den Zisterziensern von Mehrerau in Besitz genommen. Seit 1971 gilt sie als „Basilika Unserer Lieben Frau.“
Die Fahrt ging weiter nach Meersburg. Diese kleine historische Fachwerkstadt mit den malerischen Gassen, oben die sagenumwobene, mittelalterliche Burg, unten das Wasser, war sehenswert. Die Gründung der Burg soll bis ins 7. Jahrhundert zurückgehen.
Einige von uns machten sich die Mühe, die Burg zu erklimmen und dabei die Bauweise und Geschichte erklärt zu bekommen. Auf dem Rundgang durch 30 verschieden eingerichtete Räume brauchte man nicht viel Fantasie, sich das damalige Leben hierin vorzustellen. Ein kleiner Junge in unserer Gruppe wartete ungeduldig auf die Schatzkammer und war dann hörbar enttäuscht, dass der größte, hinter Glas ausgestellte Schatz „nur“ zwei vor Diebstahl oder Brand in grauer Vorzeit gerettete kirchliche Motivbilder waren.
Im 16. Jh. residierten hier die Fürstbischöfe von Konstanz. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hatte hier aufgrund ihrer verwandtschaftlichen Bindungen ihr Arbeitszimmer, in dem sie im Jahr 1848 starb. 1843 hatte sie noch das so genannte Fürstenhäusle, heute ein wohnlich anmutendes kleines Museum in bester Lage, oberhalb von Meersburg, ersteigert.
Ein herrlicher Tag ging zu Ende. Man traf sich nach dem Abendessen wieder bei einem Spaziergang auf der Seepromenade oder in dem einen oder anderen Gartenlokal bei einem Bier oder Glas Wein.
Der 6. Tag hatte den Rheinfall von Schaffhausen zum Ziel. Dafür mussten wir von Deutschland in die Schweiz wechseln, so richtig mit Grenzkontrolle. Der größte Wasserfall Europas tost bereits auf Schwyzer Seite.
Viele von uns wagten es, mit einem der flachen Boote zum Mittelfelsen gefahren zu werden, sozusagen auf Tuchfühlung zwischen den herabstürzenden Wassermassen und nicht nur das: Auch noch auszusteigen und den Felsen inmitten der tosenden Wasserberge auf steilen, unterschiedlich hohen Stufen, letztlich atemlos, zu erklimmen. Von hier oben bot sich ein grandioses Schauspiel auf die Wassermassen, die bis hierauf spritzten.
Zurück am Bus gab Moni Schmidt einen selbstgebrauten Ingwer-Schnaps, ihre Spezialität, aus. Es wurde immer wieder fotografiert, auch Gruppenbilder entstanden in dieser guten Stimmung.
Einen längeren Aufenthalt hatten wir in Stein am Rhein, ein einzigartiges Kleinod am Untersee und Rhein, dort wo der Bodensee wieder zum Rhein wird. Dieses mittelalterliche Städtchen ist mindestens so sehenswert wie Meersburg. Die bemalten Bürgerhäuser mit ihren Erkern am Rathausplatz mit dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert sind ein Kunstwerk für sich.
Schade, dass sich nicht noch mehr von uns das Museum zum Lindwurm angesehen haben. Es zeigt die bürgerlichte Wohnkultur im 19. Jahrhundert, ohne museal zu wirken. Fast hätte man dort einziehen können. Begehbar war das Haus vom Keller bis zum Dachstuhl. Hier hätte ich stundenlang stöbern können.
Dann gab es noch in einem alten Bauwerk aus dem 15. Jh. das Bürgerasyl zu besichtigen. In diesem alten Gemäuer mit Einrichtungen und lebensgroßen Figuren wurde die damalige Nutzung dargestellt. Im Gegensatz zum eigentlichen Gefängnis, was sich ebenfalls im Erdgeschoss befand, war die so genannte Bettlerstube, ein Arrestlokal für randständige Personen der harmloseren Art. Die Räume dienten zur kurzfristigen Verwahrung von Landstreichern und Bettlern, von verarmten Handwerksburschen oder auch als Ausnüchterungszellen. Da sitzt seiner Kleidung nach ein verarmter Zimmermann, der sich seine wund gelaufenen Füße verbindet. Neben sich auf der gräulichen Matratze liegen seine Krücken. In der anderen Ecke schlürft ein Bettler aus einer Schale seine Suppe. Bei diesem Anblick kribbelte es mir bei der Vorstellung von Ungeziefer in dieser Kammer. Auf einem Schild war zu lesen: „Zu den zahlreichen Aufgaben, die das „Städtische Asyl“ zu erfüllen hatte, gehörte auch die Unterbringung von Delinquenten“. Es war dann noch die sparsam ausgestattete Küche mit einer Magd zu sehen, die gerade ein Huhn rupfte.
Immerhin auch noch während des 2. Weltkrieges wurde die Bettlerstube zur Unterbringung militärischer Arrestanten und vermutlich auch von Flüchtlingen gebraucht.
Wir hatten noch soviel Zeit, über die Rheinbrücke, die Stein mit Schwanen verbindet, zu gehen. In Schwanen soll ein Gebäude der Geburtsort eines vermutlich unehelichen Sohnes (na, so `was!) von Friedrich Schiller (nicht Schaller!) gewesen sein. Von der Brücke aus konnte man dem munteren Treiben kleiner Boote mit jungen Leuten zusehen.
Der 7. Tag, am Sonntag, stand wieder zur freien Verfügung.
Einige fuhren mit der Fähre nach Romanshorn. Dann war für andere der Tag der offenen Tür im Schloss in Friedrichshafen interessant. Irmgard hatte auch diesen freien Tag genutzt, zusammen mit Irmfrid ihre Schwester und ehemalige Schulfreundinnen in Überlingen zu treffen. Für Irmfrid (k)eine schwere Entscheidung, obwohl ihn der Besuch des Zeppelinmuseums auch gereizt hätte.
Ich musste mich zwischen Schlossbesuch und Fahrradtour entscheiden. Ich entschied mich für die Teilnahme an der Fahrradtour nach Überlingen. Wir waren so acht, neun willige Personen, die sich bei einem schon bekannten Fahrradverleiher für 10,-- € ein jeder für sich passendes Fahrrad ausliehen. Von da aus ging es dann westwärts. Leider führte ein Teil der Strecke entlang einer stark befahrenen Autostraße. Meine vermeintlich gute Kondition wurde bereits auf diesem Streckenabschnitt stark beansprucht. Gott sei Dank guckten unsere Experten immer einmal wieder in die Fahrradkarte, ob es nicht doch einen Weg entlang des Bodenseeufers gab mitnichten. Dann aber kamen wir in ruhigere und wenig befahrene Gegenden bis Meersburg, und dann ging’s mehr und weniger am Ufer entlang. Herrliches Wetter wunderschön.
Meistens fuhr ich als letzte im Konvoi und konnte so feststellen, ob auch alle immer schön beieinander waren. Mal gesellte sich die eine oder der andere zu mir, warum bloß, machen die etwa schlapp? Als letzte begleitete ich Helmut Hadler, aber plötzlich war der ganze Trupp vor uns verschwunden. Wir haben ihn noch abseits gesucht, vergeblich.
Und so fuhren wir beide weiter Richtung Überlingen bis unterhalb der Birnauer Basilika. Gerade als Helmut und ich beschlossen, nicht weiter zu fahren, kamen uns seine Frau Gaby und auch Barbara Lauenstein um die Hausecke entgegen. Aus praktischen Gründen hatten auch sie sich zur Umkehr entschlossen, und so fuhren wir gemeinsam zurück nach Meersburg, um von dort mit der Fähre nach Friedrichshafen zu fahren. Jürgen Krackhardt und ich Glaube, auch Sönke Lerdon, wollten die ganze Strecke wieder zurückradeln. Der Rest unserer Mannschaft wollte mit Umsteigen in Meersburg die Rückreise mit dem Schiff machen. Unterwegs in Unteruhldingen machten wir vier jedenfalls erst einmal Pause und aßen ein mächtiges Eis.
In Meersburg angekommen, besorgten wir uns Tickets für die Fähre nach Friedrichshafen. Wir hatten noch soviel Zeit, dass wir einen kleinen Bummel um die Ecke in einer der alten Gassen machen konnten. An Bord dann saßen wir so, dass vor uns das Uferpanorama und das bunte Treiben auf dem Wasser vorüber zogen.
„Daheim“ im Hotel erfuhren wir dann etwas über die anderen Unternehmungen. Der „Tag der offenen Tür“ im Schloss war etwas anders geartet, als Karin und Egbert Wolkenhauer es sich vorgestellt hatten. Trotzdem war es interessant, was das ausgestellte Handwerk betraf. In der Vergangenheit hatten die Schlossherren die Bevölkerung noch nie hinter die hohen Mauern des Schlossgartens sehen lassen. Jetzt gab es auf der Schlossterrasse Kaffee und Kuchen und die Besucher des Schlossgartens hatten Gelegenheit, die adeligen Herrschaften, und speziell die Damen mit ihren kühnen Hutkonstruktionen, zu betrachten.
Bis zum Abendessen flanierten noch einige auf der Promenade bis man glaubt es kaum es anfing zu regnen, nach all den Sonnentagen! Beim Abendessen dann erlebten wir noch eine Überraschung. Erik Bandte bekam wegen der vielen Telefonate, die Klaus Viering entgegennahm mit, dass Klaus heute Geburtstag hatte. Erik tat das einzig Richtige: Er gab diesen Geburtstag bekannt. Wir alle erhoben uns von unseren Stühlen, um auch für ihn das in vielen Sprachen bekannte Geburtstagsständchen zu singen. Zu unser aller Überraschung stimmte auch eine hier im Restaurant anwesende Gästegruppe aus Japan in das bekannte Lied ein und klatschte Beifall. Das war bestimmt nicht nur für Klaus Viering einmalig.
Am Montag, dem 12. September, war der Rückreisetag. So gut wie pünktlich um 07.15 Uhr fuhren wir los. Unterwegs haben Irmgard und Irmfrid Rosenow von Traudl und Helmut Reinbeck eine in der Schweiz erworbene kleine Tischglocke überreicht bekommen sowie einen Blumenstrauß als Danke schön für die gelungen organisierte Reise.
Um 18.30 Uhr sind wir nach mehreren Pausen mit Kaffee und Kuchen und einem Verkehrsstau in Hamburg angekommen. Unterwegs noch bedankten wir uns bei unserem netten Fahrer Kuhlmann für sein freundliches Auftreten und seine ausgeglichene Fahrweise.
Bei dieser Berichterstattung haben mir überlassene Notizen, Berichte und Fotos von Helmut Reinbeck, Manfred Zeising, Helmut Hadler und Jürgen Stegelmann sehr zu diesem ausführlichen Bericht beigetragen. Vielen Dank bei dieser Gelegenheit. (Hoffentlich habe ich jetzt keinen vergessen?).
Marlis Krogull