Reisebericht
Baden-Baden, Schwarzwald und Elsass

19.09. 2010 bis 23.09.2010

Es war Sonntagmorgen, graue Wetterlage, regnerisch und, ja kalt war es auch. Als aber der Reisebus eintraf, wir und das Gepäck verstaut waren, fuhren wir wie bei allen unseren Reisen davor wieder der aufgehenden Sonne entgegen. Diese begleitete uns all die Tage und tauchte Ortschaften und Landschaft in Wärme und goldenes Licht. Unser Busfahrer stellte sich als Jens vor.

Das Motto „Die Reise ist das Ziel“ ist auf einer Autobahn nicht leicht umzusetzen, aber mehrere Pausen mit Kaffeeangebot von Jens und zur Mittagszeit auch noch Würstchen ließen Fahrt und Reisezeit gut überstehen. Gelächter gab es bei einem Stopp, als zwei unserer Damen gedankenverloren einen fremden Reisebus bestiegen, es aber natürlich schnell bemerkten. Jens’ Künste in Sachen Umfahren von langen Staus im letzten Drittel der Reisestrecke boten Ausblicke auf schöne Landschaften und die eine und andere Burg.

Nachmittags begann dann im St.Pauli-Stadion in Hamburg das Fußballspiel HSV gegen Pauli, was die Wachsamkeit eines Großteils der Reisenden steigerte. Um das Ergebnis für die Ewigkeit zu speichern, sei hier noch erwähnt: Das Spiel endete mit 1:1 unentschieden.

Der letzte Stau war umfahren, und wir erreichten Baden-Baden und unser Batschari-Suite-Hotel. Nach Bezug der zugewiesenen Suiten, die zum Teil so groß waren, dass gut und gern fünf Paare darin hätten Tango tanzen können. Die Einrichtung war ziemlich komfortabel: Eine voll ausgestattete kleine Küche, helles, freundliches Bad, ein Zimmer mit Couchgarnitur und riesigem Flachbildschirm, ziemlich  gemütlich. Das unter Denkmalschutz stehende Hotel wurde vor ungefähr 100 Jahren im neoklassizistischen Stil als Zigarettenfabrik gebaut.

Der erste gemeinsame Abend endete im Restaurant bei einem Abendbuffet. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen, war die Stimmung trotz der langen Fahrt sehr gut. Es wurde erzählt und gelacht.

Am nächsten Morgen, nach einem guten, reichhaltigen Frühstück trafen wir unsere beiden Reiseführer. Wir wurden in zwei Gruppen geteilt. Unsere Reiseführer, Herr Reuter, der uns Baden-Baden näher bringen sollte und wollte, blieb auch die nächsten Tage unser aller Begleiter. Wir gingen zu Fuß, die beste Methode, eine Stadt kennen zu lernen.

Baden-Baden liegt eingebettet in der herrlichen Berglandschaft des Nordschwarzwaldes und ist als Bäderstadt weltbekannt. Baden-Baden ist eine der ältesten Siedlungen im badischen Raum. Die Römer errichteten 80 nach Chr. die erste Siedlung Aquae. Zu allen Zeiten kamen außer Kaiser und Könige auch viele Berühmtheiten, wie Tolstoj, Johannes Brahms, Franz von Liszt, Clara Schubert, Theodor Storm, Mark Twain und viele andere bis hin zu Bill Clinton. Viele Berühmtheiten wie Dostojewski wohnten sogar hier.

Architektonisch imposante Gebäude wie u.a. das Casino, die Trinkhalle (hier gibt’s natürlich nur Wasser), Kurhaus, Museen, Theater und Kirchen. Dazwischen immer wieder riesige Parkanlagen mit einem herrlichen Bestand einheimischer und exotischer Bäume. Inmitten wunderschöner Bürgerhäuser mehrerer unterschiedlicher Baustile befanden sich kleine Marktplätze mit Springbrunnen und Skulpturen. Viele (teure) Geschäfte laden zum Bummeln ein, und zum Ausruhen in der wärmenden Sonne boten hier die vielen Cafés Gelegenheit.

Herrn Reuters Wissen zu jeder Sehenswürdigkeit war schon sehr eindrucksvoll. Das erste Gebäude, was es zu bewundern galt, war der ehemalige, aufwändig gebaute Bahnhof, mit ergänzenden Anbauten jetzt Deutschlands größtes Opernhaus mit 2500 Plätzen. Ein guter Einfall war es auch, dass er aus mitgebrachten Bechern uns in der Trinkhalle das kostbare Wasser probieren ließ. Es schmeckte, wie so oft bei solchen Wässerchen, etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn ich bedenke, dass Whiskey und Wodka auch Wässerchen des Lebens (Lebenswasser) sein sollen, ziehe ich ein Schlückchen davon vor. Das nächst erklärte Gebäude war das Casino. Es war um diese frühe Stunde natürlich geschlossen, was am Abend den einen und anderen aber nicht hinderte, sein Glück zu versuchen. Dem Benehmen nach nicht ganz geglückt. Aber man war nun einmal im berühmten Baden-Badener Casino gewesen.

Nach den Erklärungen vor der Caracalla-Therme, einem modernen Bau aus dem Jahr 1985, innen eine römische Saunalandschaft, mit Mosaiken, Säulen und Museumsstücken aus der römischen Zeit waren wir uns selbst überlassen. Die Stadtführung hatte uns ausreichend Ortskenntnisse vermittelt, so dass jeder oder Gruppen unterschiedliche Ziele ansteuerte. Von Hunger war auch die Rede. Wie ich später hörte, war für die meisten ein bayrischer Biergarten im Visier und wurde aufgesucht. Leider prallten hier zwischen Bedienung und uns Gästen aus dem Norden landesgeprägt unterschiedliche Temperamente aufeinander. Aber der Widerstand der Krachleder tragenden Bedienung wurde erfolgreich gebrochen.

Ich holte meinen lieben Mann ab, der sich in einem Café etwas ausruhte. Ich zeigte ihm dann noch die eine und andere Sehenswürdigkeit bis hin zur Bismarck-Statue (in Baden-Baden!) Dann griff ich den Vorschlag des Herrn Reuter auf, das Fabergé-Museum aufzusuchen. Es sind zurzeit etwa 600 Exponate zu bewundern: Unglaublich feine Arbeiten aus Gold, Silber und kostbaren Edelsteinen, angefangen bei den berühmten kaiserlichen Ostereiern der Zarenfamilie bis hin zu wunderschönen Schmuckstücken, Zigarettenetuis und extravagant gestalteten Gegenständen des täglichen Bedarfs. Von einem bewaffneten Wachhabenden erfuhren wir bei einem Gespräch, dass das alles einem amerikanischen Milliardär gehört, der sich dieses Luxusmuseum leistet und nächstes Jahr im anliegenden Gebäude ganz besondere Oldtimers ausstellen wird. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt. Übrigens, als nette Erinnerung, erhielten wir auf echtem Geldscheinpapier gedruckte Eintrittskarten, natürlich in entsprechender Fabergé-Aufmachung.

Der dritte Tag war für eine Fahrt ins Elsass vorgesehen. Unsere Ziele waren Straßburg, Colmar und das Örtchen Barr an der elsässischen Weinstraße.

Leider hatte unser Reiseleiter in Straßburg mit Ausnahme einer „Gesundheitspause“ in direkter Nähe zum Europaparlament keinen weiteren Stopp vorgesehen. Das hatten viele bedauert. Ins Münster wären wir schon gern gegangen. Nun ja, es blieben uns ein paar Fotos durch die zum Glück klaren Busscheiben. Denn die Innenstadt beeindruckte uns mit ihren vielen engen Gassen und alten Fachwerkhäusern, die mit üppig wachsenden Geranien geschmückt waren. Eindrucksvoll waren die vielen unterschiedlichen Brücken, die sich über den Fluss Ill spannten. Darunter die bekannte  Barrage Vouban, eine überdachte hölzerne Brücke.

Vorbei an weiten Maisfeldern, grünen Wiesen, Rot- und Weißkohlplantagen erreichten wir Colmar. Nicht weit entfernt konnte man die Vogesen sehen und auch, ganz klein, das Kloster Odilienberg, das natürlich seine Geschichte hat:

Odilia wurde als Tochter des Herzogs Eticho geboren und weil sie blind war, wollte er sie töten lassen. Die Mutter rettete sie, indem sie ihr Kind in einem Kloster versteckte. Dort wurde Odilia 12-jährig getauft und wieder sehend. Später versöhnte sie sich mit dem Vater, der ihr ein Besitztum auf dem Hohenberg schenkte, wo Odilia das Kloster Odilienberg gründete und Äbtissin wurde.

Nun zu Colmar: Die erste Sehenswürdigkeit  wäre der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald im Unterlinden Museum gewesen. Aber leider war das Museum geschlossen. Ziel unseres Stadtführers war das Petite Venice, das romantische Viertel der Altstadt mit Fachwerkhäusern und farbigen Fassaden, Bäumen, Kaffeeterrassen und überbordenden Blumen.

Am Schwendibrunnen endete mit einem Gruppenfoto die Führung.

Jeder hatte wieder seine eigenen Ziele. Ich konnte meinen Mann, Deike und Olaf Schramm überreden, in einem lauschigen, am blumengeschmückten Kanal gelegenen Gartenrestaurant  einen Flammkuchen zu essen. Dieser Flammkuchen war ein Traum. Es war dort so gemütlich, dass wir fast unseren Aufbruch zum Bus vergessen hätten. Die Drei vertrauten mir blindlings den Rückmarsch quer durch Colmar an (dabei ist mein Orientierungssinn bekannt unzuverlässig). Aber ich hatte auch Glück, denn ich sah vor uns in der Ferne das Ehepaar Wolkenhauer zielstrebig eilen. Eine Minute vor Busabfahrt saßen wir im Bus, etwas aus der Puste.

Nun ging es noch durch das Elsässer Weinanbaugebiet, durch hübsche kleine Ortschaften bis zum Weingut Klipfel in Barr zwecks Weinprobe. In der ursprünglichen Kellerei, in einem kühlen Gewölbe nahmen wir an langen Holztischen Platz.

Nach und nach wurden uns mit entsprechenden Erklärungen Weinproben in kleinen Gläsern serviert, dazu gab’s landesüblichen Guglhupf. Die gereichten Weine, ob Riesling, Pinot Gris, Pinot Noir, ein Muskat und zum Schluss ein Gewürztraminer,  wurden geschmacklich sehr unterschiedlich bewertet. Auch wenn vielleicht nicht soviel gekauft wurde, war es insgesamt ein netter Aufenthalt. Es war ein anstrengender Tag, aber schön, und so war auch die Heimfahrt an diesem Spätsommerabend.

Unser Ziel am nächsten Tag war die Schwarzwaldhochstraße. Am frühen Morgen bei Sonnenschein begann die Fahrt. Dunstschleier über den Feldern, Wäldern, in den Tälern und kleinen Ortschaften ließen die ganze Landschaft  märchenhaft erscheinen. Im Hintergrund mit hohen Tannen bewachsene Berge, tiefe Schluchten und seicht dahin plätschernde Bäche. Der erste Stopp am Mummelsee erwies sich insofern als Glücksfall, als wir in so früher Stunde noch ganz allein am See waren. Im Wasser spiegelte sich das Ufer, so glatt war das Wasser.

Der See ist der höchstgelegene See im Schwarzwald. Ein Hotel und einige Souvenirläden lassen vermuten, dass hier später und besonders im Sommer reger Betrieb herrscht.

Das von unserem Reiseführer bevorzugte Ziel aber waren die Klosterruinen Allerheiligen. Die sehr wechselvolle Geschichte dieser Anlage beginnt im Jahre 1191 bis 1195 mit der Gründung des so genannten Prämonstratenserpriorats durch Uta von Schauenburg.

Anfang des 13. Jh. entstanden die Grundmauern und das Westportal im spätromanischen Stil. In den folgenden Jahrhunderten kamen weitere Bauten, unterbrochen von zwei zerstörerischen Feuern im Jahr 1470 und 1555, hinzu. Klosterkirche und Kloster wurden im Laufe eines Jahrhunderts im spätgotischen Stil erneuert. 

Das 1657 zur Abtei erhobene Kloster erlag 1803 der Säkularisierung mit der Folge, dass die Mönche die Anlage verließen und die Gebäude im Laufe der Zeit zerfielen. 1816 wurden Kirche und Kloster auf Abbruch verkauft.

Seit 1842 erfolgten Sicherungsmaßnahmen an der Ruine der Kirche. Das gesamte Anwesen wurde als touristische Attraktion wiederentdeckt.

Die Ruinen liegen sehr schön in einem grünen Tal und dienen als Ausgangspunkt zu dem Höhepunkt der Wanderung, nämlich den Wasserfällen.

Wir folgten den Weg am Lierbach entlang, der durch eine abwechslungsreiche Vegetation führte. Moos bewachsene Felsen wechselten mit kleineren Wasserfällen, es ging vorbei an steilen Abhängen und hin und wieder über kleine Brücken und Stege auf vielen, vielen Stufen hinab in die Schlucht.

Der Lierbach verwandelte sich nach etwa 90 m in einen hohen Wasserfall. Ein wunderschönes Fotomotiv.

Unten im Tal erwarteten uns auf einem großen Parkplatz unser Bus und eine Überraschung vom Fahrer. Er und seine Frau hatten ein rustikales Buffet mit Brot, belegt mit zartem Schinken und Landjägerwürsten aufgebaut. Es wurde kräftig zugelangt – es blieb nichts übrig.

Dazu servierte Frau Rosenow für jeden, der wollte, noch einen Schnaps. Der Abschluss war ein Kaffee. Wir waren restlos zufrieden.

Unser Reiseleiter hatte mit dem folgenden Ziel einen schönen Abschluss dieser Tagesfahrt für uns ausgesucht: Der Ailwaldhof in Baiersbronn, ein Hotel der Extraklasse, gelegen auf einer Anhöhe mit wunderschönem Blick über das weite Land.

Dort wurden uns Kaffee und Schwarzwälder Torte serviert. Wir hatten genügend Zeit, die schöne Aussicht zu genießen und den luxuriös angelegten Hotelkomplex zu bewundern.

Trotz der vielen Erlebnisse des heutigen Tages hatten wir nach Ankunft in Baden-Baden Zeit, wieder einen Stadtbummel zu machen, und wer noch wollte oder konnte, traf sich nach dem Abendessen  in der Hotelbar, um die erlebnisreichen Tage auf eine schöne Art ausklingen zu lassen.

Der nächste Tag war der Rückreisetag dieser eindrucksvollen Reise, der ohne besondere Vorkommnisse am Neugrabener Bahnhof und für einige am Deutschen Haus endete.

Dieser Reisebericht ist ein Gemeinschaftsprodukt von

Deike Schramm und Marlis Krogull