Vortrag über Zecken
und Krankheiten durch Zecken

Etwa 35 Mitglieder des Bürgervereins Süderelbe trafen sich zum monatlichen Beisammensein in den Räumen des AWO-Gebäudes in Neugraben am  9. Juni 2009. Grund zu kommen, war ein angekündigter Vortrag über das jährlich wiederkehrende  Thema Zecken und Krankheiten durch Zecken. Mittlerweile kann man darüber in vielen Berichten lesen.
Gido Hollmichel, Leiter der Revierförsterei Hausbruch, hatte sich bereit erklärt, über die von Zecken ausgehenden Gefahren mittels Lichtbildvortrag zu berichten. Das war sehr viel spannender als nur darüber zu lesen. 
Für die meisten der Anwesenden war es neu zu sehen,  in welcher mm-Größe die Babyzecke bereits „blutrünstig“ ist, und wie arten- und zahlreich ihr Vorkommen ist. Zecken zählen zu den Milben, was u. a. an dem äußeren Merkmal zu erkennen ist, dass die Zecken acht Beine haben. Ihr Vorkommen reicht bis 2000 m Höhe. Ab ca. 10° C wird sie aktiv. Veränderte Umweltbedingungen haben die Population in den letzten Jahren stark anwachsen lassen.
Von den insgesamt fast 1000 Zeckenarten kommt dem weit verbreiteten Gemeinen Holzbock, eine überragende Bedeutung als Krankheitsüberträger beim Menschen zu.
Die Zecke durchlebt in ihrer Entwicklung drei Stadien. Jedes Entwicklungsstadium benötigt einen eigenen Wirt zur Weiterentwicklung.  Herr Hollmichel  stellte die einzelnen Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Nymphe und adulte Zecke) anhand von  Bildern anschaulich dar. Die Anwesenden waren sehr beeindruckt.

Wie kommt die Zecke zum Wirtstier?
Zecken lauern in Wäldern, Parks und Gärten, vorwiegend in knie- bis hüfthoher Vegetation, auf ihren Wirt. Dabei strecken sie oft die Vorderbeine ab, an denen sich ein spezielles Organ befindet, mit dem sie Wirte orten können. Sofern ein Mensch oder Warmblüter vorbeistreift, halten sie sich an diesem fest und suchen sich eine geeignete Stelle für ihre Blutmahlzeit.

Wie kann man sich schützen?
-
Wege möglichst nicht verlassen!
- Dichte Vegetation meiden
- Helle Kleidung bevorzugen – das Tier ist besser erkennbar
- Hose in die Socken stecken oder Gummistiefel tragen
- Zeckenabwehrmittel (z.B. Autan) auf die Hose sprühen
- Hüte schützen nicht vor Zeckenbefall
- nach Waldbesuch Kleidung wechseln und trocken verwahren
- Körper absuchen oder duschen
- Bei Kribbeln sofort nachsehen, besonders Kniekehlen, feuchte Körperstellen
- Dann Zecke unschädlich machen und beseitigen.
 
Und wenn’s doch passiert ist?
- Zecke so schnell wie möglich mit geeignetem Hilfsmittel entfernen,
nicht quetschen
- Evtl. Zecke einschicken lassen oder mittels Schnelltest aus der Apotheke
(PZN 6059738) auf Befall mit Borrelien untersuchen
- Stichstelle desinfizieren (z. B. Jod)
- Stichstelle und Allgemeinbefinden beobachten
- Spätestens beim Auftreten von Krankheitssymptomen
(Wanderröte, Fieber, Kopfschmerzen, etc.) Arzt aufsuchen
- Blutuntersuchung beim Arzt erst nach ca. 4 – 6 Wochen aussagefähig.
 
Entfernen von Zecken:
- Schnelle, richtige Entfernung der Zecke ist ausgesprochen wichtig
- Zangen und Pinzetten sind hierzu nur bedingt geeignet – Quetschgefahr!
- Am ehesten geeignet sind sehr feine, an der Spitze leicht gewinkelte
Edelstahlpinzetten, Man führt die Pinzette unter den Balg bis zum „Kopf“ der
Zecke, kneift die Gabel (Pinzette) am Zeckenkopf zusammen und mit einer
kurzen Drehung schnell aus der Haut.
- Sehr gute Erfahrungen werden mit preiswerten Zeckenhebeln, vergleichbar
einem Miniatur-Kuhfuß, gemacht. Mit diesen kann die Zecke auf einfache Weise
herausgedreht oder -gehebelt werden, ohne sie dabei zu quetschen.
- Zeckenkarten, Scheckkarten ähnlich, haben Schlitze in die die Zecke eingesetzt
und herausgezogen wird. Diese Methode ist ebenfalls geeignet.
- Finger und Fingernägel sind eigentlich zu grobe Werkzeuge, die jedoch durchaus
zum Einsatz kommen können, wenn wirklich nichts anderes verfügbar ist.
- Das vorherige Besprühen oder Tröpfeln mit Öl, Nagellack, Klebstoff oder
sonstigen Chemikalien ist zu unterlassen. Ebenso wichtig ist, die Zecke bei der
Entfernung nicht zu quetschen.

Übertragung von Krankheiten

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Der Erreger ist ein Virus. Eine vorbeugende Impfung ist möglich. Die Inkubationszeit beträgt  ca. 7 – 14 Tage. Die Krankheit kann sehr schwerwiegend verlaufen und endet in ca. 1% der Fälle tödlich. Das Verbreitungsgebiet der FSME erstreckt sich überwiegend im Süden und Osten Deutschlands.
 
Die Lyme-Borreliose
Erreger ist  ein Bakterium. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt mit der Saugdauer. Eine Diagnose ist über eine Blutuntersuchung nach ca. 4 bis 6 Wochen möglich. Typisches Beschwerdebild: Wanderröte, die sich meist kreisförmig vergrößert und dabei im Zentrum wieder blasser ist. Sie tritt bei ca. einem Drittel der Erkrankten auf und ist schmerzlos. Auch können grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Nachtschweiß, Kopfschmerzen auftreten.
Im weiteren Erkrankungsstadium können Organe und insbesondere Gelenke betroffen sein. Ferner treten in einigen Fällen diverse neurologische Beschwerden auf. Im Spätstadium kommt es häufig zu Hautveränderungen – Pergamenthaut.
Rechtzeitig erkannt, reicht eine orale Therapie mit ausreichend dosierten Antibiotika. Die Behandlung kann durch den Hausarzt erfolgen und dauert ca. 2 bis 4 Wochen. In späteren Stadien wird eine intravenöse Antibiotikatherapie angewendet, die in der Regel stationär durchgeführt wird. Evtl. ist eine Therapiewiederholung notwendig. Mit einem chronischen Verlauf ist allerdings zu rechnen.


Zecken übertragen darüber hinaus weitere Erkrankungen, wie z. B. die Ehrlichiose oder Babesiose, die aber vergleichsweise selten auftreten.


Die Fragen in der anschließenden Diskussion zeigten, dass der eine und andere Zuhörer bereits Erfahrungen mit Zeckenbissen gemacht hat oder man vergewisserte sich, ob man dies und jenes richtig verstanden hat. Es bestand ganz offensichtlich Bedarf an dem von Herrn Hollmichel vorgetragenen Thema.

Fazit: Keine Panik – Vorsichtig sein!

Der Text entstand in Abstimmung mit Herrn Hollmichel.

Marlis Krogull