
Besuch der Lotsenstation Seemannshöft
Der Besuch der Lotsenstation Seemannshöft fand aufgrund des großen Interesses unserer Mitglieder des Bürgervereins Süderelbe an drei Tagen statt, wegen der winterlichen Wetterlage zuletzt am 8. April 2010.
Als Teilnehmerin der ersten Gruppe möchte ich hier nur meine Eindrücke schildern, die vermutlich von denen der anderen Teilnehmer mehr und weniger abweichen werden. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die sehr interessante Geschichte über die Entstehung und Entwicklung dieses Lotsenhauses bei Google unter „Lotsenhaus Seemannshöft“ aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie, sehr ausführlich geschildert wird. Lesenswert sind ebenso Berichte unter www.hamburg-pilot.de und www.prachtvoll.de/09/Lotsung . Also, wer meinen Vortrag hier im Internet lesen kann, hat natürlich auch Zugriff auf die genannten Veröffentlichungen.
Ich hatte Kontakt mit dem (noch) aktiven Hafenlotsen, Herrn Römer, aufgenommen. Wir einigten uns auf den ersten Besuchstermin für den 23.09.2009. Frau Rosenow organisierte Fahrgemeinschaften und das anschließende Mittagessen bei Bundt in Neuenfelde.
Die nicht alltägliche Streckenführung zum Zielort Seemannshöft wurde am Treffpunkt Neugrabener Markt erklärt und dann ging’s los. Als Gäste konnten wir über den Deich fahren und auf dem Gästeparkplatz unsere Wagen abstellen. Natürlich haben alle dahin gefunden, und gemeinsam gingen wir zu den Gebäuden der Lotsenstation. Wir warteten noch etwas, dann kam Herr Römer und begrüßte uns.
Herr Römer begann mit der Entstehungsgeschichte der Lotsenstation Steinwerder. Die Erweiterung des Hafens Richtung Westen machte es notwendig, dass das Amt Strom- und Hafenbau den heutigen Standort am Bubendeyufer für den Neubau der Lotsenstation bestimmte. Während des 1. Weltkrieges wurde das Gebäude nach den Plänen des damaligen Baudirektors und Leiter des Hochbauwesens Fritz Schumacher fertiggestellt. Während des Krieges waren dort erst einmal Soldaten untergebracht, danach die Seemannsschule und erst 1925 zogen die Hafenlotsen in das ursprünglich für sie errichtete Bauwerk. Es galt, einen Lotsendienst rund um die Uhr zu gewährleisten. Den 2. Weltkrieg überstand das Gebäude fast unbeschädigt.
Der Bau mehrerer Radaranlagen entlang der Elbe begann in den 50-er Jahren. Damit war die Fahrt der Schiffe bei schlechter Sicht und Nebellagen sicherer geworden. Weltweit wurde hier die erste Radarbildübertragungskette installiert, die ihren Betrieb 1962 aufnahm. Die zunehmende Anzahl größerer Schiffe machte eine Gebäudeerweiterung notwendig. Darin fand die Verkehrslenkungs- und Radarzentrale ihren Platz.
Herr Römer führte uns durch die Flure mit interessanten Bildern zum Thema Schifffahrt, Hafen usw., vorbei an der Pantry in die so genannte „Synagoge“, ein Informationsraum mit umfangreichem Kartenmaterial und Computern. An der Stirnseite waren in einer Glasvitrine gesammelte Gegenstände und alte Schriften zu sehen. Im nächsten Raum war die Radarzentrale mit 14 Monitoren untergebracht. Hier sitzen bei entsprechendem Schiffsaufkommen und schlechter Sicht (Nebel) der oder die Lotsen mit beratender Funktion und nautischer Führung. An der Wand hing eine riesige Karte des gesamten Hamburger Hafens.
Dann ging es in den interessantesten Raum, die Brücke. Hier sahen wir die Lotsen vor ihren Monitoren, die ständig veränderte Positionen der Schiffe - einkommend und ausgehend - auf den in Abschnitten unterteilten Elbabschnitten zeigen. Auch Wetterkarten mit sich ändernden Sichtverhältnissen waren zu sehen. Wir konnten zuhören, wie die Lotsen den Funksprechverkehr verfolgten und, wenn sie sich angesprochen fühlten, antworteten wo angebracht auch in englischer Sprache. Schiffe über 90 m Länge müssen bis Teufelsbrück einen Elblotsen an Bord nehmen, der an dieser Stelle vom Hafenlotsen abgelöst wird für die Strecke bis zum Liegeplatz im Hafen. Die Aufgabe der Lotsen umfasst auch noch, Kontakte mit den Festmachern und Schleppern zu halten Entweder wird der Lotse mit dem Lotsenversetzer zu einem Schiff, das den Hafen verlassen will, gefahren oder bei einem einkommenden Schiff an dieses gebracht. Die vom Lotsen zu benutzende so genannte Jacobsleiter ist in der Benutzung nicht ganz ungefährlich, Unfälle sind sehr selten, aber nicht auszuschließen.
Der Lotse, selbst ein erfahrener Kapitän, hat an Bord eines Schiffes „nur“ eine beratende Funktion, der Schiffskapitän hat immer die Verantwortung. Das klingt klar und eindeutig. Ich kann mir aber vorstellen, dass im Falle einer Havarie die Lage der Dinge nicht immer eindeutig ist dennoch: der Kapitän hat die Verantwortung.
Hier erklärte Herr Römer uns auch, dass die Gezeiten, Ebbe und Flut, mit den unterschiedlichen Wassertiefen und die veränderlichen Gezeitenströmungen immer wieder neue Situationen schaffen, die bei der Führung des Schiffes berücksichtigt werden müssen. Die zunehmend eingesetzten Schiffsriesen und die Neuanlagen von Dockplätzen engen an manchen Positionen im Hafen den Manövrierplatz ein. Das erfordert vom Hafenlotsen höchste Konzentration und uneingeschränktes Können. In solchen Fällen überlässt der Schiffskapitän dann doch das Manövrieren dem Hafenlotsen, behält aber die Verantwortung. Natürlich kennen im Laufe von vielen Jahren die Lotsen viele der Kapitäne, die Hamburg regelmäßig ansteuern, und man freut sich über das Wiedersehen. Ist schon toll.
Natürlich kostet die Inanspruchnahme des Lotsendienstes Geld. Die Höhe richtet sich nach der Größe des Schiffes. Die Einnahmen werden durch die Zahl der aktiven Lotsen geteilt und sollen im Ergebnis als Einkommen akzeptabel sein. Ursprünglich waren die Hafenlotsen Angestellte der Freien und Hansestadt Hamburg. 1981 wurde die Hafenlotsenbrüderschaft Hamburg gegründet.
Es war alles sehr interessant. Mich beeindruckte das Zusammenwirken verschiedener Berufsgruppen für einen Manövrierauftrag sehr. Ob es wirklich immer so klappt? Es muss! Wir verabschiedeten uns von Herrn Römer, übergaben ihm unsere Spende für die Stiftung „Seefahrtsdank“ und sicherten ihm zu, dass noch mehr Interessenten unseres Bürgervereins kommen werden.
Wir sind dann noch zum Lotsenanleger an der „Rückseite“ der Lotsenstation, am Köhlfleethafen, geklettert und konnten miterleben, wie die Mannschaft an Bord eines Lotsenversetzers ging und ablegte.
Bei Bundt in Neuenfelde trafen wir uns dann zu einem gemeinsamen Essen. Wir waren inzwischen ziemlich hungrig geworden und waren froh, dass die Küche bereits wusste, wer was bestellt hatte. Frau Rosenow hatte anhand einer verkleinerten Speisekarte die jeweiligen Wunschessen im Voraus bestellt. Während des Essens wurde noch viel über die Professionalität dieser kleinen Berufsgruppe diskutiert. Die Stimmung war gut, und damit ging’s heimwärts.
Marlis Krogull